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Text: Old age ain’t no place for sissies!


Here She Is Altsein

 

Verehrte Damen und Herrinnen,

irgendwann werden wir es sein: eine alte verrückte Katzenlady, eine Großmutter, eine Grande Dame, eine alte Schachtel oder Greisin. Was immer die Zukunft für uns bereithält, wenn wir Glück haben, werden wir alt. Unsere gesamte Kultur ist darauf ausgerichtet, das Leben immer weiter zu verlängern und das Sterben so lange wie möglich hinauszuzögern. Doch trotzdem findet die Phase des Altseins in unseren Gedanken und Medien erstaunlich wenig statt. Eigentlich wollen wir nicht ewig leben, wir wollen ewig jung sein. Graue Haare werden so lange wie möglich unter Farbe versteckt, Falten weggecremt. Darum wollen wir auch erstrecht nicht wissen, wie es tatsächlich ist, alt zu sein. Stattdessen haben wir ein bizarres Bild der weisen, entspannten Greisin entwickelt:

Wenn die Alten die gleichen Wünsche, die gleichen Gefühle, die gleichen Rechtsforderungen wie in der Jugend bekunden, schockieren sie; bei ihnen wirken Liebe, Eifersucht widerwärtig oder lächerlich, Sexualität abstoßend, Gewalttätigkeit lachhaft. Sie müssen ein Beispiel für alle Tugenden geben.“

Das schrieb Simone de Beauvoir 1970 in „Das Alter“, ein kulturhistorisches Standardwerk über unsere Gesellschaft und wie in ihr Alter stattfindet. Nämlich wenig. So wenig, dass Beauvoir selbst in den 70ern damit zutiefst schockieren konnte.

Simone de Beauvoir

Simone de Beauvoir, fotograph taken from the book “Historia de la Literatura Argentina Vol I, II y III” edited by Centro Editor de América Latina. Published on November 1968 Buenos Aires, Argentina

Aber was heißt denn überhaupt Altsein? Also, ab wann ist man alt – 60, 70, 80? Das hat jede Gesellschaft in ihrer jeweiligen Zeit anders beantwortet. Wir würden es in Deutschland heute bei 65 oder 67, dem Renteneintrittsalter, ansiedeln. Aber am besten stellt man sich die Frage erst gar nicht. Und vor allem einer Frau nicht!

Und damit der Quatsch nicht so weitergeht, wollen wir Euch diesen Monat Frauen zeigen oder ins Gedächtnis rufen, die offen und ehrlich, schön und bewusst mit ihrem Alter umgehen. Ja, auch mal hadern. Denn, wie sagte schon Bette Davis? Old age ain’t no place for sissies! Im Film Whatever Happened to Baby Jane hat Bette Davis mit Joan Crawford erstmals bewiesen, dass Frauen über 50 durchaus die Kino-Kassen klingeln lassen können. Ein Novum in Hollywood – der Stadt, in der Schauspieler ab 50 in die besten Jahre kommen und Schauspielerinnen ab 50 nie wieder auf die Leinwand.

Im untenstehenden Clip kann man die große, in die Jahre gekommene Hollywood-Diva in einem sehr offenen und lustigen Interview aus ihrem Leben erzählen sehen, wie man es eben erst ab einem gewissen Alter kann. Man beachte, das nackte Knie, das die Dame von Welt trotz ihrer 63 Jahre nicht versteckt.

In den 80er Jahren, ein weiterer kultureller Meilenstein für alte Ladies: Die Golden Girls ziehen nicht in ein Altersheim, um ihren Lebensabend zu verbringen, sondern in eine WG. Und hier dürfen sie alles sein, was ältere Damen im TV vorher nicht sein durften: rotzedumm, naiv, sexbesessen, rachsüchtig, verliebt, genervt, ängstlich und hinterfotzig. The slut is dead, long live the slut!

Die Ollen, die wir Euch vorstellen wollen, müssen aber nicht immer versaut sein. Unsere Chef-Reporterin Laura Will trifft sich mit ein paar Omis im Altersheim zum Kaffeekränzchen und fragt nach, wie es sich im hohen Alter so lebt, Miss Xita, eine Hochleistungssportlerin der DIY-Diszplin, wertet alte Gegenstände auf und zeigt Euch, wie Ihr das nachmachen könnt, natürlich wird es wieder eine Playlist geben – die diesmal nicht so einfach zusammenzustellen war – und ein Interview mit einer Grande Dame, die wir Euch noch nicht verraten können.

Na, okay, eine Sache war gelogen – wir finden es spitze, wenn Greisinnen so richtig schmutzig sind. Bevor Ihr den Blog verlasst, hier noch ein alter Herrenwitz von Damen mit viel Witz: