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Tun: Vergewaltigt. Zum Schweigen gebracht. Ignoriert.

…sind die Schlagworte zum Programm des diesjährigen türkischen Frauenfilmfestivals Filmmor, welches seit elf Jahren vom feministischen Kollektiv film mor kadin veranstaltet wird. Mit ihren Filmvorführungen kämpfen die Filmemacherinnen gegen eben das an: von einer chauvinistischen Gesellschaft zum Schweigen gebracht zu werden. Ihr Motto: „To produce, to oppose, to dream and to act with women for women“ („Produzieren, sich widersetzen, träumen und handeln – mit Frauen für Frauen.“). Darum reist das Festival nicht nur von Istanbul aus durch große Teile der Türkei, sondern bietet auch Film-Workshops und Unterstützung für alle Frauen an, die sich filmisch ausdrücken wollen.

Wir haben mit Deniz Nihan Aktan, einer Aktivistin des Kollektivs, in einem Email-Interview übers Frausein in der türkischen Männergesellschaft gesprochen. Das Interview wurde auf Englisch geführt, eine deutsche Übersetzung findet Ihr direkt darunter.

Der Trailer zum 11. Filmmor 2013 (mit englischen Untertiteln)

Here She Is: Do you like being a woman?

Deniz: Answering to this question is a bit risky since it has a risk of being essentialist. What makes someone a woman does not have any strict rules or patterns, in my opinion.

Here She Is: What problems do Turkish women face?

Deniz: Women who live in Turkey have many problems like women all around the world. To be culture-specific, we can emphasize on the violence, inequality, and discrimination fed by overt or covert impacts of traditionalism and conservatism.

Supported by the ruling political party for ten years, conservatism is being strengthened and legitimized.

FaktenTürkeiEngl

Here She Is: Moreover you are a feminist as well.

Deniz: Being a feminist in Turkey, although accompanied by a constant marginalization, is enriching since it promises many encounters and alliances for someone. I love the feeling of solidarity and resistance we carry on against the sexist and heteronormative structure of the everyday life. We are organized in many areas of life and we are following the agenda to increase our voice against any kind of inequality. We never give up discussing, resisting, and also learning from each other.

Here She Is: What do you dream of?

Deniz: My dream is to live in a world which is beyond the binary of genders.

DenizKachel

Deniz Nihan Aktan

Hier die deutsche Version:

Here She Is: Bist du gerne Frau?

Deniz: Es ist ein bisschen brenzlig diese Frage zu beantworten, weil es die Gefahr birgt gleich als Essentialistin abgestempelt zu werden. Meiner Meinung nach gibt es keine strengen Regeln oder Verhaltensmuster, die bestimmen, was jemanden zur Frau macht.

Here She Is: Mit welchen Problemen haben türkische Frauen zu kämpfen?

Deniz: Frauen, die in der Türkei leben, haben viele Probleme, genau wie Frauen überall auf der Welt. Um bei unserer Kultur zu bleiben, kann man die Gewalt, Ungleichheit und Diskriminierung hervorheben, alles mehr oder weniger offensichtliche Folgen des Traditionalismus und des Konservativismus. Und dieser Konservativismus wird durch die Regierung seit zehn Jahren auch noch gestärkt und legitimiert.

FaktenTürkeiDeutsch

Deniz: Feministin in der Türkei zu sein, bereichert dein Leben, obwohl es auch eine konstante Ausgrenzung bedeutet. Du gewinnst neue persönliche Kontakte und gehst neue Bündnisse ein. Ich mag das Gefühl von Zusammengehörigkeit und den Widerstand gegen den Sexismus und die Heteronormativität im Alltag. Wir sind in vielen Bereichen des Lebens organisiert und erheben unsere Stimmen gegen jegliche Form von Ungleichheit. Wir werden niemals aufhören zu diskutieren, Widerstand zu leisten und voneinander zu lernen.

Here She Is:Wovon träumst Du?

Deniz: Mein Traum ist es, in einer Welt zu leben, die die Binarität der Geschlechter überwindet.

Team Filmmor

Feministisches Kollektiv „film mor kadin“